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Gewichtheberturnier "Pokal der blauen Schwerter" Meissen 2016



Die Wände heben immer mit.

Die alte Halle platzte aus allen Nähten, dafür gab es im Wettkampf kaum Platzer. Auch die 27. Turnierauflage hielt, was sie versprochen hatte: hochklassigen Gewichtheber-Sport mit Show und Dramatik. Unter den insgesamt fast 800 Zuschauern waren viele bekannte Gesichter: Vertreter aus Sport und Politik, Sponsoren, Förderer, Fans und ehemalige Aktive. Oberbürgermeister Olaf Raschke eröffnete als Schirmherr die Pokalveranstaltung und richtete einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft: Eine neue Halle soll ab 2018 die altehrwürdige Austragungsstätte ablösen.

Wie ein Mann - oder besser - wie ein engagierter Trainer pushte das begeisterte Publikum jeden der 32 Teilnehmer aus 7 Nationen zu Höchstleistungen. Die Wände hoben sprichwörtlich mit. Den äußerst spannenden Dreikampf zwischen Bernadin Kinque Matam (Frankreich), Max Lang und Ritvars Suarevs (Lettland) entschied nach ständigen Positionswechseln am Ende der Franzose ganz knapp für sich.

Max zeigte sich als fairer Sportsmann und konnte seine anfängliche Enttäuschung schnell überwinden: „Ich gratuliere Bernadin zum Sieg und werde nächstes Jahr selbstverständlich wieder angreifen, Meißen ist für mich Ehrensache.“ Nun gibt es mit Lang 2012/13 und Kingue Matam 2014/16 sowie Andreas Letz (1981/82) und Ronny Weller (1989/92) vier Doppelpokalsieger. Die Frauenwertung und damit den kleinen Pokal gewann die Lettin Rebeka Koha vor der Überraschungszweiten Anna Vanbellinghen aus Belgien und der Vorjahressiegerin Joanna Lochowska aus Polen. Die Olympiavierte Koha mischte als 6. der Gesamtwertung im Feld der starken Männer von Spieß bis Müller kräftig mit. Kohas technische Fähigkeiten und die ihres lettischen Landsmannes Suarevs waren für Kenner eine Augenweide. Frau Preuß, Produktionsleiterin der Meißner Porzellanmanufaktur, überreichte Bernadin Kinque Matam und Rebeka Koha die beiden wertvollen Siegerpokale aus weißem Gold - nach ihren eigenen Worten eine Herzensangelegenheit.

Moderator Marc „Hust’l“ Huster lief am Mikro so wie einst an der Hantel zu Bestform auf: Er begleitete jeden Heber emotional und beeindruckte Fachleute und Laien mit seinen Kommentaren. Bei seiner Beamer-Präsentation zur Pokal-Historie und im Interview mit Exweltmeister und Trainerlegende Stefan Grützner, bereits aktiver Teilnehmer bei der Turnier-Premiere 1971, wurden schöne Erinnerungen wach. Marc selbst war ja bekannt für seine Jubelausbrüche nach geglückter Hebung. Hier konnte ihm aktuell die deutsche Nachwuchshoffnung Jon Luke Mau mit einer perfekten Rückwärtssalto-Pose das Wasser reichen - ebenso der superschwere Publikumsliebling Almir Velagic. Almir betätigte sich vor seinem Versuch unter Beifall ganz cool als Scheibenstecker. Seine „Stecker“-Kollegen wie alle anderen fleißigen Helfer meisterten ihren jeweiligen Job bravourös und sorgten somit für einen reibungslosen Ablauf beider Veranstaltungen. Schon am Sonntagmorgen danach trafen sich viele wieder, um die Wettkampfstätte abzubauen und die Halle für das Training herzurichten. Dafür Respekt und ein großes Dankeschön!

Zurück zum Wettkampf: Der Nachmittag begann mit einer Technikdemonstration der besten Schüler des AC Meißen. Lucas Müller und Kevin Klünder zeigten unter Anleitung von Trainer Frank Förster - einst an der Sportschule Trainingskamerad von „Hust’l“ - ihr Können. Die Lokalmatadoren Hagen Janta und Nico Fritsch schlugen auf heimischer Bühne sich sehr achtbar und wurden dafür stürmisch bejubelt. Hervorzuheben sind ebenfalls die Leistungen der anderen sächsischen Jung-Stemmer: Kurt Perthel (Chemnitz) mit EM-Normerfüllung sowie Erik Ludwig (Eibau) als jüngster Starter mit neuen sächsischen Jugendrekorden. Nachwuchs-Nationaltrainer Michael Vater zeigte sich vom Auftreten der Perspektivkader jedenfalls angetan und nominierte im Anschluss die deutsche u20/23-Auswahl für die Europameisterschaften im Dezember in Israel.

BVDG-Sportdirektor Frank Mantek und BVDG-Vizepräsident Patrick Fassot lobten wiederholt die Organisation und hoben die Besonderheit dieses Blaue-Schwerter-Turniers hervor: „Das Gewichtheben mit seinen bekannten aktuellen Problemen benötigt dringend solche positiven Momente.“ Beide Offizielle bescheinigten Meißen 2016 weitere Fortschritte und sicherten gern künftige Unterstützung zu. Das gilt erfreulicherweise ebenfalls für die sportbegeisterten, treuen Sponsoren und Förderer. Nur auf dieser Grundlage und mit Hilfe aller Freunde des Gewichthebens kann das Traditionsturnier erhalten und weiter ausgebaut werden. Dafür bedankt sich das Org.-Team ausdrücklich und setzt fest auf diese partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Vom Bundesverband wurde der Pokaltermin für 2017 bekannt gegeben, bitte vormerken: 6. Mai 2017 (noch) in der alten Gewichtheberhalle Meißen, Goethestraße 33.

Beeindruckt von der der einzigartigen Wettkampfatmosphäre und vom anspruchsvollen Rahmenprogramm sagten viele Starter, insbesondere die ausländischen Delegationen, spontan ihr Wiederkommen im Frühjahr 2017 zu.

Einen ausgezeichneten Wettkampfbericht hat Meißen-Fernsehen tvM zusammengestellt.



Ergebnisse "Pokal der blauen Schwerter" 2016